Die Karl Meyer Gruppe. Das Morgen denken.

Kunst aus Kehdingen

Die Faust von Jonas Kötz ist mit einem feinen Film aus Holzstaub überzogen, als er sie mir zum Gruß hinstreckt, genau wie seine Wollmütze und die schwere Zimmermanncordhose. Er lacht und ruft den aufgeregt bellenden Hofhund Coco zurück. Bis eben stand der Bildhauer noch in seiner Werkstatt. Sie befindet sich in der Scheune seines 300 Jahre alten Hofes auf der Elbhalbinsel Krautsand, direkt hinter dem Deich.


Sowohl Haus und Scheune als auch das ehemalige Backhaus, das Kötz und seine Frau Ami als Ferienhaus vermieten, sind reetgedeckt. Auf dem weitläufigen, abgelegenen Grundstück mit Wiesen, Teich und alten Bäumen erschafft der gebürtige Hamburger seine Knollennasen. Er schnitzt sie aus alten Dalben aus dem Hamburger Hafen. Sie bestehen aus robustem Bongossiholz und eignen sich hervorragend für den Einsatz im Freien. Und sie stehen mittlerweile an vielen Orten: Auf Norderney, Föhr, in Sahlenburg, am Vörder See, in der Mitte eines Kreisverkehrs in Stade-Schölisch und natürlich am Krautsander Deich. Als "öffentliche Aufträge" bezeichnet er diese Figuren, denn sie sind für jedermann sichtbar. Kötz liebt das Wasser, vor allem die Elbe, die er "seinen Fluss" nennt und segelt gern. Da ist es nur konsequent, dass einige seiner Werke auf dem Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 4" zu finden sind.  


Kötz ist für einen Tag im März auffällig braun gebrannt. Erst vor wenigen Tagen ist er von einem längeren Aufenthalt auf Mallorca zurückgekehrt. Im Gepäck hatte er mehr als 50 Holzblöcke, aus denen 53 seiner berühmten Skulpturen, die er liebevoll "seine Jungs" nennt, entstanden sind. Diese reisen ihm nun per Spedition hinterher, damit sie pünktlich zur Ausstellung Ende April in Hamburg sein können. Von Haus aus ist Kötz Kinderbuchillustrator, hat zahlreiche pixi- und andere Bücher geschrieben, für die Sesamstraße gezeichnet und irgendwann angefangen, das was er zeichnete, auch aus Holz zu schnitzen. Ob das so einfach geht?  "In meiner Welt schon," sagt er. Ein Zeichner müsse seine Figuren von allen Seiten kennen und dann könne er sie auch schnitzen. "Aber ich kenne auch einige Bildhauer, die können überhaupt nicht zeichnen", gibt er schmunzelnd zu. Überhaupt lacht und schmunzelt Jonas Kötz viel. Das Zeichnen liebt er nach wie vor, doch seine Skulpturen sind mittlerweile so gefragt, dass er immer seltener am Zeichentisch sitzt.


1997 kam der 57-Jährige mit seiner Frau und dem ersten von drei mittlerweile erwachsenen Kindern nach Krautsand. Der Hof war schon damals Atelier, denn der Bildhauer Wigand Witting und seine Frau, Theaterschauspielerin Angelika Winter, bewohnten ihn. Der Hof hatte viele Vorbesitzer, wurde renoviert, die Elektrik immer wieder erweitert. Die Kombination aus Reetdach, Spinnenweben und vor allem Holzstaub in der Werkstatt erfordern besondere Vorsicht bei der Elektroinstallation. Monteure der Karl Meyer Energiesysteme GmbH sind regelmäßig vor Ort und übernehmen alle Projekte, die nicht nur aufgrund des Alters der Gebäude stets speziell sind. Einen hölzernen Zirkuswagen aus den 1950er Jahren, der schräg hinter seiner Werkstatt steht, hat Kötz zu einem Gästehaus ausgebaut.